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| Dienstag, 19. Oktober 2004 |
Konzert zu vier Händen auf ungewöhnliche Art im Hochfelder
Gemeindehaussaal |
| Freuden und Leiden einer Seitenwenderin |
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| Hochfelden (rd) Der Gemeinderat Hochfelden lud am
Sonntagabend zu einem Konzert der ungewöhnlichen Art in den Saal
des Gemeindehauses. Die Pianistinnen Barbara Bohnert und Regula
Dickerhof standen für einmal nicht im Mittelpunkt, umso mehr die
Seitenwenderin Andrea Bissig. |
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Konzert zu vier Händen, von einmal handgeblättert durch Blockflötistin
und Mimin Andrea Bissig. Rechts Barbara Bohnert, Regula Dickerhof.
(Bild: rd)
Gegen 50 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten Gelegenheit, Zugang
zu klassischer Musik auf humoristische Art zu erlangen. Bei diesem
Konzert stand für einmal die Person im Mittelpunkt, welche
normalerweise möglichst unsichtbar im Hintergrund arbeitet. Gewöhnlich
betritt sie nach den Pianistinnen die Bühne, um sie dann beim
ersten Applaus wieder eilig zu verlassen. Gerne vergisst man, dass
diese Person mit ihrer Aufmerksamkeit Wesentliches zum Gelingen
des Konzertes beiträgt. Ihre gelegentlichen «Wendeaktionen»
fordern höchste Konzentration. Sie war am Sonntagabend als Erste
auf der Bühne — die Seitenwenderin Andrea Bissig. War sie nun
der Mittelpunkt, oder waren es die beiden Pianistinnen Barbara
Bohnert und Regula Dickerhof? Werke von Hans Huber, Johannes
Brahms, Adolfo Berio, Claude Debussy und Robert Schumann standen
auf dem Programm. Zarte, gefühlvolle Stücke, temperamentvolle
— eindrucksvoll interpretiert von den jungen Pianistinnen.
Woran lag es, dass die Aufmerksamkeit des Publikums doch öfters
abschweifte zur Seitenwenderin mit der roten Clownnase? Mit viel
Charme versuchte diese, ihre anspruchsvolle Arbeit korrekt zu
erledigen, immer wieder unterbrochen durch kleinere Pannen. Die
gekreuzten Beine verhiessen Tragisches, und das Rauschen der WC-Spülung
kam rechtzeitig zum dramatischen Ende des Musikstückes.
Auch fürs leibliche Wohl einer Seitenwenderin musste
zwischendurch gesorgt sein. Mit einem Biss ins Sandwich ging das
Konzert weiter. Diesmal mussten die beiden Pianistinnen selber
umblättern, zu beschäftigt war ihre Assistentin mit Essen. Höflichkeitshalber
wurde auch den Zuschauern ein Biss angeboten. Zurechtrücken der
roten Schleifen, Haare kurz in Form gebracht, Anzünden einer
Kerze — so ging es weiter mit dem «Abendlied» von Robert
Schumann. Während die Gäste das gefühlvoll interpretierte Werk
auf sich einwirken liessen, nahm es die Seitenwenderin wörtlich
— sie schlief ein.
Zugang zur klassischen Musik
Barbara Bohnert, die neben ihrer Lehrtätigkeit an der Musikschule
Bülach als Korrepetitorin von Sängerinnen, Instrumentalistinnen
und Chören arbeitet, war es ein Anliegen, klassische Musik einmal
auf andere Art hinüberzubringen. «Seit einem Jahr arbeiten wir
zu dritt in dieser Art. So finden auch Menschen Zugang zur
klassischen Musik, die sonst Respekt davor haben.» Regula
Dickerhof unterrichtet neben ihrer Konzerttätigkeit in
verschiedenen Kammermusikformationen an der Musikschule
Bremgarten. Blockflötistin und Mimin Andrea Bissig unterrichtet
neben intensiver Kammermusiktätigkeit an der Musikschule Maur.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer liessen den stimmungsvollen Abend
bei einem von der Gemeinde offerierten Apéro ausklingen und waren
sich nicht einig, was nun schwieriger war — Klavierstücke zu
vier Händen fehlerlos vorzutragen oder die Seiten im richtigen
Moment umzublättern... |
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