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Mittwoch, 3. November 2004

Konzert von «Claronetto» und dem «Duo Flautastica» im Guss 81-80
 
Der musikalische Reiz des Gemeinsamen
 
Bülach -  Am vergangenen Sonntag konzertierten das Duo Flautastica (Flöte, Klavier) und die vier Klarinettistinnen und Klarinettisten der Gruppe «Claronetto» zum ersten Mal gemeinsam. Ihr rund einstündiges Programm stand unter dem Titel «Von Ost nach West» und lancierte in der Kulturkantine Guss 81-80 eine kleine Klangreise von Russland nach Amerika.
 

Technisch versiert und trotzdem mit viel Gefühl ergänzen sie die «Claronetto»-Musiker: Flötistin Myriam Hidber und Pianistin Barbara Bohnert. (Bild: flo)


Dass die einen oder anderen der allerjüngsten Konzertbesucherinnen und -besucher gegen den Schluss hin unruhig auf ihren Stühlen herumrutschten ist schon verständlich. So ein klassisch-ernstes Konzert gehört eben eher ins Kapitel «hinsitzen und still sein», was nicht immer dem entspricht, was ein Kinderherz am Abend so begehren würde. Aber dann wiederum ist es schon interessant, was vier Klarinetten, eine Querflöte und ein Klavier so zu Stande bringen. Ernste, manchmal sehr schnelle aber vor allem schöne Musik. Mit Modest Mussorgskys «Promenade» und «dem grossen Tor von Kiev» aus dem Werk «Bilder einer Ausstellung» eröffneten die beiden Gruppen «Claronetto» und «Duo Flautastica» ihr erstes gemeinsames Konzertprogramm. Ganz im Osten.

«Das Klavier kann man nicht brauchen»

Vor der Kulisse der hübschen Vorweihnachtsdekoration der Kulturkantine traten die sechs Musikerinnen und Musiker abwechselnd in verschiedenen Besetzungen auf. «Das macht den Reiz des Gemeinsamen aus. Es ist eigentlich eine Erweiterung von dem, was wir schon hatten», erklärt Christoph Probst aus Bülach, einer der vier Klarinettisten von «Claronetto». Für den ungarischen Tanz aus der Feder von Leo Weiner wurde er von der Pianistin Barbara Bohnert begleitet, die ihr eigenes Digitalpiano in die Kulturkantine mitbrachte. «Nein, das Klavier hier im Guss kann man nicht brauchen. Es sieht zwar sehr schön aus, aber es klingt wie in einem Western-Saloon», sagt sie. Ihre Duo-Partnerin Myriam Hidber (Querflöte) gab dem Abend allein schon durch ihr charmantes Auftreten eine persönliche Note; zusätzlich zu der Vielzahl an Noten, die sie ihrer Flöte in den virtuosen «technischen» Stellen (z.B. im Stück «Csardas» von Victor Monti) entlockte. Ein Abend der kleinen aber feinen Stimmungsbilder mit einer besonderen Instrumentierung.

Von Komponisten wie Astor Piazolla oder Mike Curtis waren weitere sehr anspruchsvoll anmutende Stücke zu hören. Diesen einen Jazz-Amerikaner nicht zu vergessen, Dave Brubeck mit Namen, dessen «Blue Rondo «à la Turk» im ungewöhnlichen 9/8 Takt geschrieben war, als hätten die Türken mit Vorliebe Takte komponiert, die niemand richtig mitzählen kann. Mit dem abschliessenden Potpourri mit Melodien aus Leonard Bersteins beliebtem Musical «West Side Story» ist man schliesslich ganz im Westen, also in den USA angekommen. Die allseits bekannten Weisen hätten beinahe zum Mitsingen animiert, wären sie nicht so abwechslungsreich und mit einer bestimmten Neigung hin zur Virtuosität vorgetragen worden. Ein Konzert, aufregend versiert gespielt und dabei trotzdem das Gefühl nicht vor dem Mundstück abgebremst. Dem Publikum hat es zu Recht gefallen.